"Die Köpfe heißgeredet"

Erinnerungen an den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger

Die Personalie Klaus Allofs sorgte vor dem Finale von Lissabon für mächtig Gesprächsstoff (Foto: Stroscher).
Sonstiges
Dienstag, 01.08.2017 / 14:32 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

Werders Weg ins Finale des Europapokals der Pokalsieger wurde oft erzählt. Über Bacau, Budapest, Istanbul und Brügge zogen die Werderaner 1992 ins Endspiel nach Lissabon ein – und holten dank eines 2:0-Sieges gegen den AS Monaco den größten Triumph der Vereinsgeschichte. Doch was passierte eigentlich abseits des Platzes und rund um die mittlerweile legendären neun Partien der Grün-Weißen?

Für WERDER.DE erinnert sich Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer zurück und schildert den Turnierverlauf von damals aus seiner ganz persönlichen Sicht. „Es war für mich die spannendste Europapokalsaison. Nicht, weil wir gewonnen haben, sondern weil so viele unvergessliche Erlebnisse dabei waren“, sagt der langjährige Geschäftsführer und Präsident Fischer. Im dritten und letzten Teil blickt der damalige Vizepräsident auf die hasserfüllte Atmosphäre in Brügge, einen tragischen Zwischenfall beim Rückspiel und natürlich das Finale.

Halbfinale: SV Werder – FC Brügge 0:1/2:0

Oliver Reck kassierte gegen Brügge die 2. Gelbe - und fehlte im Finale (Foto: Stroscher).

„Das Hinspiel gegen Brügge war leider ein Spiel mit besonders gewalttätiger Note, so würde ich es formulieren. Es begann schon damit, dass unsere Fans nicht in die Stadt hineinfahren durften. Sie mussten ihre Autos außerhalb Brügges abstellen und wurden hineingeleitet. Ich erinnere mich an eine unglaublich hasserfüllte Atmosphäre. Unsere Spieler wurden mit Geld, mit Feuerzeugen und vielen weiteren Dingen beworfen. Auch das Spiel war extrem hart. Wir hatten Glück, dass wir nur 0:1 verloren, doch das Ergebnis wirkte sich natürlich auf das Rückspiel aus. Für Brügge ging es um sehr viel, die hatten den Finaleinzug vor Augen und eine richtiges Tier von Mittelstürmer: Daniel Amokachi. Der war wirklich unglaublich. Er erzielte das Tor in Brügge. Wir haben versucht das alles herunter zu kochen.

Beim Rückspiel saßen die Fans von Brügge in der Westkurve des Weser-Stadions, im Vergleich zu heute allerdings am anderen Ende, an der Ecke zur Weser hin. Es war eine wilde Fangemeinde mit Raketen, Böllern. Andauernd gab es Theater. Das Schrecklichste passierte allerdings schon vor dem Anpfiff. Es gibt ja diese Kugelschreiberraketen. Einer von den Brügge-Fans, dem wir hinterher glücklicherweise habhaft werden konnten, schoss von dort oben genau in die Ecke zwischen Nordgerade und Ostkurve. Er traf einen Fan unterhalb des Herzens. Noch lange gab es wegen dieses Vorfalls verschiedene Verfahren und Prozesse.

Das Spiel selbst stand lange Zeit auf des Messers Schneide. Wir haben durch Marco Bode das 1:0 nach einer halben Stunde erzielt. Außerdem ist mir in Erinnerung geblieben, dass Daniel Amokachi vom Platz gestellt wurde – allerdings auch mit einer schlechten Folge für uns. Oliver Reck bekam durch den Zusammenprall der beiden, bei dem Amokatschi mit gestrecktem Bein reingegangen ist, seine zweite gelbe Karte. Er fehlte uns im Finale, wo Jürgen Rollmann eingesprungen ist. Man könnte sagen, der Schiedsrichter war uns ein wenig wohlgesonnen und hat nur Amokatschi vom Platz gestellt. Manfred 'Bocki' Bockenfeld hat das wichtigste Tor seiner Karriere geschossen, das 2:0 und wir standen im Endspiel.“

Finale: SV Werder – AS Monaco 2:0

Final-Torschütze Wynton Rufer feiert mit Fans und Pokal (Foto: Stroscher).

„Zunächst einmal waren wir traurig, dass wir in Lissabon spielen mussten. Wir haben damals immer wirtschaftlich gedacht und der Austragungsort bedeutete eben eine sehr weite Anreise. Das ‚Estádio da Luz‘ war zudem ein riesiges Stadion und es waren nur 15.000 Zuschauer da. Nur eine kleine Gruppe von ihnen kam aus Monaco. Schließlich stand Frankreich damals unter Schock, da in Bastia eine Woche zuvor eine Tribüne zusammengebrochen war. Es gab eine Schweigeminute und wir spielten mit Trauerflor.

Positiv in Erinnerung geblieben ist mir an allererster Stelle Estoril, vielleicht auch, weil wir da so toll gefeiert haben. Das war ein traumhaftes Hotel, eine Festungsanlage außerhalb der Stadt. Es war ein bisschen schwierig zu erreichen, aber das haben wir in Kauf genommen und das hat sich gelohnt.

Sportlich ging es rund um das Endspiel viel um die Aufstellung, in erster Linie um Klaus Allofs. Wir selber wussten, dass man ihn mit so einem Knie gar nicht erst hätte verpflichten dürfen. Rückblickend betrachtet ist es wirklich unglaublich, was er mit diesem Knie noch erreicht hat in seiner Karriere und wie lange er durchgehalten hat. Ich sehe uns noch am Tisch sitzen, wie wir uns die Köpfe heißgeredet haben. Am nächsten Tag kam die Aufstellung und Klaus Allofs spielte, ich glaube auch zur Überraschung einiger Spieler.

Monaco war der klare Favorit, mit Arsène Wenger als Trainer und sehr guten Spielern wie George Weah. Na und dann führte eine der ersten Ballberührungen von Klaus Allofs zum Tor. Und nicht nur das, auch das 2:0 war eine fantastische Vorlage von Allofs auf Wynton Rufer. Wir gewannen und der Rest ist bekannt."

92er-Helden feiern Jubiläum mit einem "Zug durchs Viertel"

Mit einem kleinen Triumphzug durchs Bremer Viertel werden die Legenden ihren Turnierverlauf am "Tach der Fans" an einzelnen Stationen nochmals erleben. Angefangen mit der 1. Runde gegen den FC Bacau, die am Goetheplatz stattfindet, geht der Weg durch Europa weiter bis zum Finale gegen den AS Monaco, das am Weser-Stadion zu finden sein wird (den gesamten Streckenplan gibt es hier).

Zwischen 13.30 und 14.30 Uhr werden Otto Rehhagel und seine Helden durchs Bremer Viertel ziehen. Um 14.30 Uhr werden die 92-er Helden dann am Weser-Stadion auf der Bühne erwartet. Der "Tach der Fans" am Samstag, 05.08.2017, bildet den Höhepunkt des Europapokal-Jubiläums.

 

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